Ich habe seit Jahren zusammen mit einem Kumpel bei der Firma Hetzner einen dedizierten Root-Server. Auf diesem Server laufen diverse Webseiten (auch dieser Blog), ein paar Foren, ein paar Teamspeak-Server, ein SVN Repository und am allerwichtigsten: mein gesamter Email-Verkehr wird über diesen Server abgewickelt. Mein Kumpel möchte jetzt allerdings einiges an seiner Infrastruktur ändern und benötigt den Server deshalb in Zukunft nicht mehr. Da mir ein dedizierter Root-Server alleine etwas zu teuer ist, werde ich auf einen vServer umsteigen. Dieser hat natürlich nicht die Power wie ein eigener Server, aber da ich ihn dann nur noch alleine nutze wird das schon langen. Das kostenlose Hosting einiger Webseiten für ein paar Freunde werde ich dann allerdings einstellen müssen :/
Nach ein bisschen Recherche im Web habe ich mich für das Paket VS Linux L 4.0 von HostEurope entschieden. Eine Alternative wäre noch der vServer Pro X4 von Server4You gewesen. Letzterer ist bei vergleichbarer Leistung deutlich billiger, allerdings verbinde ich mit Server4You nur negative Nachrichten aus deren Anfangszeiten. Mag sein, dass sie mittlerweile dazugelernt haben, das negative Bild hat sich bei mir aber zu sehr eingebrannt. Meine Domains werde ich weiter über den DomainRobot von Hetzner verwalten, da gibt es für mich keine Alternative.
Demnächst steht also ein Umzug aller Dienste und Daten an. Nun habe ich mir überlegt, wenn ich schon alles umziehen und neumachen muss, dann kann ich das auch richtig machen. Deshalb werde ich im gleichen Schritt auch von MySQL auf LDAP als Datenbackend umsteigen. Natürlich ist ein LDAP Server für einen so kleinen Server mit rund 10 Domains und 20 Email-Konten etwas oversized, aber es ist die sauberste Lösung und ausprobieren wollte ich das schon länger mal. Ich habe mir für den neuen Server folgende Struktur überlegt:

Postfix als MTA mit Amavis, Spamassassin und PolicyD als Content Filter – so bleibt das Email-Postfach sauber! Zum Senden/Relayen von Mails ist natürlich eine Authentifizierung erforderlich. Dazu wird Postfix über Cyrus-SASL an den LDAP angebunden. Darüberhinaus benutzt Postfix den LDAP um Domain/Mailbox Lookups zu machen (also sicherzustellen, dass die Emailadressen an die Mails gesendet werden sollen auch auf dem Server existieren).
Dovecot habe ich seit etwas mehr als einem Jahr im produktiven Einsatz und bin damit sehr zufrieden. Dovecot unterstützt eine direkte Anbindung an LDAP (zur Authentifizierung). Sowohl Postfix als auch Dovecot werden für MUAs nur per SSL/TLS erreichbar sein. Als Webmail Applikation bleibe ich bei RoundCube – ich find den Web2.0 Style von RoundCube einfach hübscher als SquirrelMail.
Auch den Apache möchte ich an das LDAP Backend anbinden. Sowohl zur Verwaltung von (Sub-)Domains als auch zur Authentifizierung beim SVN und WebDAV Dienst (ob das überhaupt möglich ist weiß ich aber noch nicht).
Zu guter letzt möchte ich meinen Router hier Zuhause als BackupMX konfigurieren. Falls der vServer einmal ausfällt soll unser heimische Router die Mails entgegennehmen. Dazu muss er natürlich auf die Domaindaten zugreifen können. Deshalb muss auf dem Router ein LDAP-Replica-Server laufen der alle Daten vorhält. Auch müssen hier alle Antispam und Antiviren Maßnahmen installiert sein, denn Spammer benutzen gerne den BackupMX um ihren Müll abzuladen. Inwieweit dies umsetzbar ist muss ich ebenfalls noch ausprobieren.
Ich stelle das ganze Vorhaben hier deshalb so ausführlich vor, weil ich mir vorgenommen habe zu allen Diensten und Konfigurationen hier im Blog Tutorials zu veröffentlichen. Falls ich diesem Vorsatz nachkommem kann ensteht hier nicht nur eine Dokumentation für mich selbst, sondern hoffentlich auch ein nützliches Nachschlagewerk für andere.